Prudential Walk London, 2016

Ich sitze an irgendeinem griechischen Strand und es regnet. Das Mittelmeer deckt sich Grau in Grau. Kurzum: Ich fühle mich very British und bereit, endlich über meinen Prudential „Ride“ bzw. „Walk“ London des letzten Jahres zu sinnieren.

Nachdem ein paar Freunde und meine Wenigkeit unsere Namen in die Startplatz Lotterie für den Prudential Ride London 100 warfen, standen wir neun Monate später mit Bike Cases in London Heathrow. Über den Kanal ging es standesgemäß mit meiner geliebten British Airways (BA), der schnellsten Airline der Welt. Dies und die Tatsache, dass man sein normales Aufgabegepäck ohne Aufpreis in Sportgepäck umwandeln kann, macht BA quasi zu DER Rennradfahrer Airline für das Commonwealth.

Das Herz des Empire.

Von Heathrow aus ging es im schwarzen Van zum Motel One Tower Hill. Nach meinen Abenteuern in britischen Hotels, war mir nach dem soliden deutschen McDonald’s der Hotellerie. Lobby und Rezeption zeugten bereits davon, dass das ganz Haus voll mit Fahrern für das bevorstehende Grossereignis war.

Im 14. Stock angekommen, machten wir mit Blick auf die Skyline von London die Räder startklar und gingen anschließend runter für eine Testfahrt. Am Vorabend des Ride London 100 in die Lobby eines Hotels mit Bike und Rennradkleidung zu treten, gleicht der Ankunft im Knast. Die Türen des Lifts gehen wie in Zeitlupe auf. Dutzende Blicke durchbohren einen. Man spürt die Fragen: „Marke? Laufräder? Carbon Flaschenhalter?“ Jetzt gilt es: Cool bleiben. Nicht bücken um Ventilkappen abzuschrauben.

Die Testfahrt lief gut. Dummerweise kamen wir auf die Idee, einen Abstecher zum Rapha Store Spitalfields zu machen, was meist imperiale Löcher in die Kreditkartenabrechnung reisst. Aber halb so schlimm. Schließlich verdiene ich mein Geld in Euros und nicht in Brexit Pfund. Hier kaufte ich das Trikot der Farbe „High-Vis Pink“, das später noch in Mallorca für Angst und Schrecken sorgen sollte. Nach Team Up mit unserem Londoner Teammate ging es zum Carbo Load ins La Tagliata. Zurück an der Hotelbar bestellte ich einen zu meinem neuen Trikot stilistisch passenden Drink. #LondonRide – wir kommen.

Batman.

Dann endlich ist es Sonntag. Bereit für 100 imperiale Meilen standen wir Punkt 06:30 Uhr Londoner Zeit vor dem Motel One, um im Team zum Start im Queen Elisabeth Olympic Park zu radeln. Die Straßen waren bereits voll mit Fahrern. Je näher wir dem Park kamen, desto enger wurde es. Zum Teil gab es an Kreuzungen kein Vorankommen mehr. Eine bunte Masse drückte sich fahrend und schiebend zwischen Autos und Spurbegrenzungen. Rückblickend war es der Prolog des anstehenden Tages.

Endlich am Queen Elisabeth Olympic Park angekommen wurden wir Teil einer riesigen Maschinerie. Überall schoben sich im Gleichschritt tretende Divisionen von Fahrern entlang. Aus der Ferne hörte man Lautsprecherdurchsagen. Am Horizont erspähte man, wie andere „Waves“ über die beiden „Launch Tubes“ auf die Strecke geschossen wurden.

Wir wurden in „Wave D“ oder Start Zone „Pink“ einsortiert. Der „Wave Load“ wurde mit 07:07am angegeben. Der „Wave Close“ um 07:42am. Pünktlich ab 08:10am sollte der Asphalt dann brennen. Die Organisation hatte militärische Züge. Mails und Newsletter zuvor machten klar, dass die keinen Spaß mit ihren Zeiten verstehen.

Unsere Start Zone „Pink“ versammelte die Avengers der Rennrad Superhelden in Lycra. Alle Archetypen des Hobby Radsports an einem Fleck: Spaßfahrer, mit Logos von Sponsoren, die sie nicht haben (Rule#17). Die Sammler und Jäger der verlorenen Rapha Kollektion („Ich brauche nur noch das Pro Team Thermo Aerosuit!“). Und natürlich  Batman und Robin. Die Jungs in Schwarz Schwarz und der Sidekick mit ALLEN Farben am Körper.

Garmin.

Dann ist es 07:42am. Wave Load „Pink“ bewegt sich auf die Minute genau in den linken Launch Tube. Eine Stunde und zwölf Minuten nach Verlassen des Hotels waren wir bereit. Schreckliche Pop Musik aus den Lautsprechern feuerte uns an, diesen Ort des akustischen Waterboardings mit wahnsinniger Geschwindigkeit zu verlassen. Es folgte jedoch noch ein Adrenalinschub ganz anderer Natur. Mein Garmin ging nicht. Er bootete, zeigte das Logo und ging aus. EIN GOTTVERDAMMTER GARMIN CRASH VOR DEM START? Das kann nicht wahr sein. Mein Teammate hinter mir hatte das gleiche Problem. Während ich mit Pina an den Start stolperte startete ich das Ding immer wieder neu, in der Hoffnung, es würde wie mein Honda Civic aus Studententagen doch noch anspringen. Tat es aber nicht. So blieb mir nichts anderes übrig, als dem Ding einen Factory Reset zu verpassen. Kurz vor dem Start fühlte sich das an wie den Warp Kern der Enterprise mitten im Gefecht abzuwerfen. Edge 520 startete. Alle Einstellungen sind weg. Willkommen zu ihrem fabrikneuen Garmin: „Möchten Sie ihn konfigurieren?“ Die Orwellschen Lautsprecher im Hintergrund verkündeten zwei Minuten bis zum Start. Ich klickte mich unter nervtötendem Gepiepe durch die Konfiguration, gab meine Daten ein und verband die Sensoren, die er zum Glück sofort fand. Auf Cleats vorwärts stolpernd richtete ich mir notdürftig meine gewohnte Hauptseite ein.

37 Sekunden vor dem Start war ich durch. Garmin war halbwegs eingerichtet und ich war bereit eine 100 Meilen Schneise durch die Hügel Englands zu schneiden. Ich atmete durch, sah stolz der gemeisterten Situation auf Garmin hinunter und las 5,2km/h und eine Trittfrequenz von 37 Umdrehungen ab. Bin ich blöd? Ich stehe doch mit beiden Beinen auf der Erde! In diesem Moment dämmerte mir, WO ich da mit beiden Beinen auf der Erde stand. Ich stand mitten im größten Jedermann Rennen Europas! Mit einer halben Kopfdrehung machte ich 52 Garmins aus. Mein geistiges Ohr hörte wie 201 Herzen Blut an ihren Garmin Brustgurten vorbei schlugen. Ich spürte die Vibration von 300 Ketten und Kurbelarmen, die Daten in ihre Trittfrequenzsensoren pumpten. Mein Garmin hat sich nicht nur mit meinen Sensoren verbunden. Er hatte sich mit ALLEN Sensoren verbunden. Ich hatten den gesamten Peloton in meinem Garmin Edge 520. Ich machte mein iPhone auf, um ihn via Bluetooth zu koppeln. Ich fand fünf Seiten (!) mit Geräten, die ALLE „BT_Edge“ hießen. Es war zu spät. Der Startschuss fiel. Ich fuhr los und hoffte, dass das Feld sich auflockern und mein Garmin auf GPS gehen würde.

Die ersten 40 Meilen.

Was für ein Kurs! Kurz nach dem Start ging es direkt auf den Highway und schaffte Platz, damit der Peloton sich sortieren konnte. Wir gaben dem Drang nach Speed nach und traten unvernünftig stark rein (auch wenn wir wußten, dass da noch 99 weitere Meilen folgen, wir Idioten!). Hoch, runter, durch Tunnel und wieder zurück auf die Straßen Londons. Ich habe noch nie eine Sightseeing Tour in London gemacht, aber ich bin mir sicher, man wird es nicht schöner als so bekommen.

Verglichen mit dem Velothon 120 in Berlin war das Feld durchmischter und das Altersspektrum breiter. Auch waren wesentlich mehr Frauen unterwegs. Die rechte Überholspur (imperialer Linksverkehr) organisierte sich aber kaum in Gruppen. In Berlin wurde man ja förmlich in Gruppen nach Vorne gesogen. Viele schienen Amateure und auf eigene Faust unterwegs zu sein. Gleich vom Start an fiel auf, dass kaum Handzeichen gegeben wurden. Ein Zweier Team nötigte mir ein Bunny Hops ab, um vertiefte Gullydeckel zu überspringen, die plötzlich vor meinem Vorderrad auftauchten. Nach einer Weile habe ich das System verinnerlicht und schaute selbst, was Vorne so alles auf mich zukommt. „On your right!“ wurde mein Kampfruf.

Am Richmond Park schließlich der erste Hügel der Strecke. Hier riss der Peloton auseinander. Ich verlor meinen Flügelmann, der mit Problemen an der Kette beim Mechanic halten musste. Nach der folgenden Abfahrt hatte ich Pace und Rhythmus endlich gefunden. Es lief echt gut, bis ungefähr eine Meile vor einem Ort namens Pyrford. Mein Garmin fand plötzlich wieder irgendwelche Sensoren vom Start, als es von Vorne schallte: „Slow Down!“. Und es gab sogar Handzeichen! Die müssen es also wirklich ernst meinen.

Pyrford.

10:02 Uhr. Full Stop. Knapp zwei Stunden nach dem Start hielt ich irritiert an. Der Typ neben mir schien ebenso irritiert. Er hatte die Full Stop Idee aber nicht ganz zu Ende gedacht: Er kam rechts von mir zum Stop und kippte um. Zu meinem Glück nach rechts. Ich wurde Zeuge, wie drei erwachsene Männer Domino miteinander spielten.

Carbon und Knochen blieben zum Glück heil. Wir schoben unsere Räder ein paar Meter, dann war Schluss. Über uns kreiste ein Helikopter. Das Mobilfunknetz war zusammengebrochen. So viele Smartphones hat Pyrford wahrscheinlich noch nie gesehen. Mein Garmin piepte wild vor lauter wiedergefundener Sensoren. Helfer gingen rum und reichten Wasser zum Befüllen der Flaschen. Es folgte allgemeine Ratlosigkeit. Nach ca. 30 Minuten gab es endlich Lautsprecherdurchsagen. Ein Fahrer vor uns hat es schwer erwischt. Er kollidierte mit einem ein Baum und musste sofort per Helikopter ins Krankenhaus gebracht werdn. Böse Geschichte. Also warteten wir. Ein Junge aus dem Dorf verkaufte aus einer Kiste heraus Bananen  zu einem Pfund das Stück. Er machte das Geschäft seines jungen Lebens. Einige Nachrichten von der Front drangen langsam durch. Der stehende Fahrerpulk hat inzwischen wohl mehrere Meilen angenommen. Es werden Ausweichrouten eingerichtet, um die von hinten anrückenden Fahrer umzuleiten, damit sie das Ziel im Zeitlimit erreichen.

Um 11:20 Uhr gab es endlich Bewegung. Der fein säuberlich organisierte Wave Launch Start mündete hier in eine riesige Carbon Parade. Angesichts der schieren Menge an Fahrern dauerte es eine ganze Weile, bis man genügend Platz hatte, um wieder aufzusteigen. Unter dem Highheel Geklacker von tausenden Radschuhen lief ich 500m, um mich endlich wieder dem (fahrenden) Radsport zu widmen.

Eine Kurve.

Allerdings nur für 500m. Handzeichen. Full Stop. Ich habe bis heute keine Ahnung warum. Vielleicht war die erste Kurve mit 10km/h zu scharf. Vielleicht hat einer das mit den Pedalen wieder nicht verstanden. Keine Idee. 11:26 Uhr. Hunderte Fahrer vor und hinter mir klickten aus.

0,3% Steigung.

Nach quälenden 15 Minuten ging es weiter. Allerdings wieder nicht lang. 12:05 Uhr. Wir waren eine halbe Stunde ohne Cleat-Bodenkontakt, als wieder das anscheinend einzig bekannte Handzeichen fiel: Full Stop. Ein Unfall in einer 0,3% Steigung zwang uns zum Stop. Garmin fing wieder an irgendwelche fremden Herzfrequenzsensoren zu finden und zeigte 72km Distanz an. Es hieß wieder: Ausklicken. Laufen. Die Aktion dauerte 20 Minuten und einige Meter Froome Ventoux Style.

Leith Hill.

Der nächste Stop folgte um 13:11 Uhr. Wir waren eine gute halbe Stunde auf dem Sattel, als wieder „Full Stop“ fiel. Diesmal bei einem Hügel namens Leith Hill. Anscheinend an einer etwas steileren Stelle. Ein Typ mit Sponsoren Stickern ohne Sponsoren fiel  direkt vor mir um. Er streifte mein Vorderrad und legte sich vor mich hin. Garmin zeigte undramatische 90km Distanz an. Das mit dem Anhalten sollte man auf der Insel echt noch ein bisschen üben, obwohl es das einzige Handzeichen zu sein scheint, was die hier beherrschen.

Nach ewigem Warten erschienen endlich Ordner mit Megaphonen, die die Situation erklärten. Durch den Stau ist das Feld zu dicht geworden. Fahrer kommen den Hügel nicht hoch und stürzen. Um weitere Unfälle zu vermeiden, wurde das Rennen gestoppt. Das Fahrerfeld wird in neue Waves eingeteilt, die nach und nach den Hügel hochgeschickt werden. Hinter mir wurde eine Linie gezogen und trennte mich von meinem Wingman, 100m hinter mir. Die Fahrer 600m hinter uns wurden umgeleitet, da sie es wohl nicht mehr im Zeitlimit schaffen würden. Somit waren wir mit die letzten, die noch die volle geplante Runde fahren und laufen durften.

Ich war endgültig genervt und ließ dem via Instagram Luft. Ich dachte: Ok, das verdammte Empire will es von mir wissen. Alles klar, Empire. Kannst Du haben! Gandhi hat auch sechs Tage gegen die Briten ohne Gel Packs ausgehalten und gewonnen. Ich war bereit, dieses Spiel bis zum blutigen Ende auszufechten.

Der Graben.

Ein knappe halbe Stunde später ging es endlich wieder los – bergauf. Die Veranstalter empfahlen, die Räder den Berg hinauf zu schieben und erst dann aufzusteigen, Sie hatten Angst, dass wieder einer umfiel – wie ich gesehen hab, zu Recht! Ich wartete bis das Feld ausgedünnt und kein Batman und Robin mehr in Sicht war, als ich wieder Power auf die Kurbeln gab. Garmin entkoppelte zig Sensoren, im grünen Tunnel den Leith Hill hinunter berauschte ich mich der Geschwindigkeit. Ich hielt mich an einer kleinen Speed Gruppe rechts, die „on your right!“ schreiend eine schmale rechte Bahn zwischen Schleichern und Waldboden freimachten. Mit 60 Sachen fühlte es sich an wie der Graben des Todessterns (wohlgemerkt nicht als Garven Dreis, der Loser). Darth Vader und Truppen fuhren in Schwarz weit links auf S-Works und parkten für uns gefühlt. Bei Kilometer 97 trafen wir dann wieder auf das umgeleitete Hauptfeld, bis es bei Kilometer 101,5 endlich wieder soweit war.

Dorking sehen und sterben.

Full Stop. Ein Ort namens Dorking. Keine Ahnung was jetzt schon wieder war. Ich klickte aus und schaute mir Dorking an. Das Rennen ist endgültig zu einer Hop On Hop Off Sightseeing Tour geworden. Der Ort kam mir ein bisschen vor wie „Brügge sehen und sterben“. Sehr hübsch! Geradezu idyllisch. Nur leider furchtbar langsam. Nach Downtown Dorking konnte wieder aufsatteln und einen Hügel namens Box Hill samt Rolling Hills erklimmen.

Box Hill.

Allerdings war auch wieder ein George Clooney Batman unterwegs. Die Rolling Hills waren zu hart für ihn. Batman Clooney ist links vor mir und fällt kurz nach einem Ort namens Headley an einem 2% Anstieg um. Er reißt Robin und Catwoman mit sich. Ich entkomme rechts, als kurz danach wieder Full Stop ausgerufen wurde. 2% Anstieg scheinen ausserhalb Europas echt ne Nummer auf sein. Ich schiebe. Pinarello lacht mich mit feinem, italienischen Akzent aus. Es sind 114km mit verschiedenen Fortbewegungstechniken um.

Back on track.

Wieder aufgestiegen rollen wir durch den Londoner Speckgürtel zurück ins Herz des Empires. Der Asphalt ist rau. Brandenburger Dorfdurchfahrten wirken dagegen wie Landebahnen für Space Shuttles. Aber es herrscht eine Wahnsinns Stimmung! Senioren sitzen vor ihren Heimen mit Gartenstühlen und feuern an. Das ganze Dorf steht an der Straße und jubelt. Man fährt durch Fankurven. In einem Ort gebe ich einer kompletten Schulklasse Kinder beim Vorbeifahren High Fives. Leider bleibt der Flow nicht so unbelassen.

Kurz vor einem Ort namens Kingston upon Thames bei Kilometer 134,5 fahren wir gemütlich auf der rechten Spur mit 35km/h, als 20m links vor mir ein Typ auf vollkommen freier, breiter, gut einsehbarer, gerader Fahrbahn mitten in eine mit gelben Leuchtpontons gesicherte Mittelinsel fährt. Es sah aus, als hätte er direkt drauf zu gesteuert! Sein Wingman kriegt das mit und kehrt sofort um. Ich werde Zeuge und frage mich ganz ehrlich, wie so was passieren kann und ob so eine 100 Meilen Fahrt das richtige für die Crew ist.

God save the Queen.

Bei 152km sind wir bereits wieder in London als es wieder Full Stop heißt. Eine Ambulanz muss die Strasse passieren. Es wird der letzte Zwischenstop für diese Tour sein. Nach zehnminütigem Sightseeing, geht es auf die letzten Meter. Das muss man dem Ride schon lassen: Durch die gesperrten Straßen Londons zu rasen hat was. Man atmet den Flair des Empires ein, wenn man an den riesigen, historischen Gebäuden entlang der Themse vorbei jagt. Und dann kommt es. Der Moment, der es allein wert ist, hier anzutreten. Die Zieleinfahrt auf den Buckingham Palace zu. Die Mall. Es ist g-r-a-n-d-i-o-s. Die Strecke ist gespickt mit Union Jack Flaggen links und rechts. Aus der Ferne winkt mir Queen Elisabeth aus ihrem Palast zu. Ich zwinkere und winke zurück. Menschen entlang der Bande feuern an und machen Lärm. Und ich fahre. Ich laufe nicht, ich fahre! Ich schwinge mich durchs Ziel, lasse ein wenig rollen und dann ist es soweit. Ich klicke aus und möchte das auch so. 165km oder 100 Meilen in und um London sind vorbei.

Ich suchte meine Teammates, kippe mir Drinks rein und schmeiße mich mit der Truppe anschließend in ein echtes englisches Pub, um den Tag zu rekapitulieren. Was für ein Erlebnis.

Die Bilanz.

Ich checke meine Statistiken auf iPhone. Ich hasse Zahlenfetisch, aber diesmal war es ganz interessant: Von den 165km Strecke zeigte mein Garmin 160km Fahrt an. Das heißt, ich bin 5km auf Cleats gewandert. Im Ziel bleiben die Zeiger auf 16:19 Uhr stehen. Das sind 08:10 Stunden für 160km Fahren und 5km Wandern. Meine effektive Fahrtzeit betrug laut Garmin 05:29 Stunden. Das heißt, ich war 02:41 Stunden mit Sightseeing und Laufen beschäftigt. 100 Meilen fahren? Kann jeder. Lauf mal 5km mit Cleats! Rule #5, Jungs!

Zurück im Hotel schieße ich Fotos fürs Archiv: So sehen Mavic Cleats nach 5km Wandern auf Asphalt aus:

Ich kondomierte mein Bike in Luftpolsterfolie und entfernte insgesamt 18 Herzfrequenz-, 12 Geschwindigkeit- und 17 Trittfrequenzsensoren aus meinem Garmin Edge 520:

Departure.

Wir spazierten schließlich auf einen Abschlussdrink ins Duck & Waffle und ließen London auf uns wirken.

Unser Fahrer holte uns am folgenden Morgen um 08:30 Uhr nach London Heathrow ab, wo wir unser Lounge Frühstück in Form von Jude’s Icecream und englischem Lounge Frühstück einnahmen.

Nach weiterem Tea & Breakfast in 10.000m Höhe, warmen Erfrischungstuch und der neusten Ausgabe der Tour landeten wir wieder in Berlin-Tegel und setzen unsere Füße ohne Cleats wieder auf europäischen Boden.

Die Frage.

Im Auto endlich wieder auf der richtigen Seite fahrend stellte ich mir die Frage, die ich erst jetzt mit Schreiben dieses Artikels beantworten kann: Würde ich London wieder machen? Ich glaube Ja. Weil die Stimmung phänomenal war. Weil die Organisation professionell war. Weil ich schon immer vorbeifahrend Kids High Fives geben wollte. Weil London einfach London ist und das Spazierengehen Folge eines Unfalls war. Ich hoffe dem armen Kerl geht’s wieder gut. Ich habe mich gerade wieder in die Lotterie eingetragen. Britisches Empire – wir sind noch nicht fertig.

Strava Activity: „RideLondon100 2016 – Walk your bike“

4 Gedanken zu „Prudential Walk London, 2016

  1. Ich schon wieder ;-p
    Einer der Artikel, die so gut sind, dass Begriffe in die Alltagssprache übernommen werden. „FullStop!“ Davon ab aber wieder eine Idee mehr auf der Liste, wo man doch mal Fahrrad fahren könnte.

  2. Na logo! Nur ist das nichts für mich zum Selberfahren. Die Nummer ist ein bisschen groß für mich, ich bin keine Radelfe und in Gegensatz zu dir bringt mich meine arrogante Lässigkeit nicht die Berge hoch. Ich mache mal die Tour nach Lluc, ansonsten bleibe ich eher flach. Aber irgendwann™ wäre das mal eine tolle Sache!

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