300km sind nur 150km pro Bein

Dreihundert Kilometer. Fahrradfahrer ereilen Ehrfurcht und Angst bei dieser Zahl. Denn sie ist absurd. Dreihundert Kilometer sind keine Distanz mehr, für die Fahrräder augenscheinlich gemacht sind. Normal Sterbliche halten 20km bereits für eine Tagestour und mit 80km steht man in Polen. Selbst Autohändler reden heutzutage sofort von Range Extendern, wenn man 300km erwähnt. Doch für echte Rennradfahrer ist diese Zahl Magie. Sie ist das hübsche Mädchen oder der süße Junge aus der Schule. Existent. Aber schier unerreichbar.

Das Leben eines Rennradfahrers ist die Geschichte des Überwindens von Grenzen. Jeder kennt die Straße seiner ersten Ausfahrt. Jeder erinnert sich an das Gefühl der ersten 50 und die ersten 60 in der Gruppe. Hundert Kilometer sind der erste Kuss der holden Schönheit. Ein Gran Fondo. Drei Stellen auf dem Tacho und ein Körper voller Endorphine.

Doch bald gieren die Beine nach mehr. Mehr Kilometer, mehr Zeit im Sattel und mehr Endorphine. Es folgt der Century. 100 Meilen oder 161km. An verrückten Tagen steigt man über 200km doch danach wird es dunkel. Keine Gruppen, keine Namen mehr. Dahinter liegt das unentdeckte Land. Und hinter dem unentdeckten Land liegen die Dreihundert – die Gralsburg des Hobbyradsports.

Ich habe es vorher nie verstanden, denn Dreihundert sind anders. Es ist kein gewonnener Sprint, kein KOM auf der Liste, kein PR für die Bücher. Dreihundert ist kein Wettbewerb gegen andere. Es ist ein Wettbewerb gegen sich selbst. Ein Wettbewerb, den man alleine austrägt, dessen Bedeutung man nicht suchen sondern nur finden kann. Aber nicht auf der Straße, nicht auf Asphalt, Kopfsteinpflaster, Strava oder Garmin. Dreihundert sind der ultimative Beweis an sich selbst. Es ist der Sieg über sich selbst. Man ist so weit weg, wie noch nie zuvor. Und man ist so weit weg, wie andere es nie sein werden.

Es ist eine Reise von Sonnenaufgang zu Sonnenuntergang. Irgendwo dazwischen begegnet man seinem innerem Ich. Jenem Ich, das flüstert was man nicht ist, was man nicht kann. Jeder wird diesen Punkt woanders finden. Es ist der Moment in dem das alte Ich am lautesten schreit, denn ab diesem Moment an fährt man von ihm weg. Mit jedem Pedaltritt verblasst der Zweifel, die Gemütlichkeit, das zaghafte Wesen, das in Dimensionen dachte, was man nicht schafft. Ab hier geht es darum, was man schafft. Ab hier hat man keine Pläne mehr, sondern Ziele. Und wenn man am Ende in diesem Ziel steht, dann weil man sich dafür entschieden hat hierhin zu kommen. Weil man den Stift selbst in die Hand genommen hat, die Geschichte selbst zu schreiben. Es ist ein unbeschreiblicher Moment von Dauer.

Mit Erscheinen dieses Artikels neigt sich die Vorsaison dem Ende zu. Die Saison steht vor der Tür. Es heißt: „Alles, was Du jemals wolltest, ist auf der anderen Seite von Angst.“ Dieser Artikel begann als schnöder Bericht zum Vätternrundan 2017. Davon zeugen die Fotos. Aber eine Runde um den See ist nicht die Story – auch wenn man diesen See vom Weltraum aus sehen kann. Es ist die Erfahrung, die man zu sich selbst erlebt, wenn man diese Grenze durchstößt. Es ist die Reise, die eine andere Person zurückbringt, als jene, die losgefahren ist. Darüber kann man nicht berichten. Wir möchten Euch ermutigen es selbst zu erleben. Habt keine Angst vor der Dreihundert. Setzt Euch dieses Ziel. Dieses Jahr. Greift sie an. Steigt aufs Rad und absolviert Euren „longest Ride“. Erzählt mir Eure Erlebnisse unten in den Kommentaren. Vielen Dank.

Wir sehen uns auf der anderen Seite.

Q von VeloQ


PS: Dreihundert in der Gruppe machen mehr Spaß. Hier sind einige Gutscheincodes, die wir als Blog zugespielt bekommen haben und gerne an Euch weiterleiten. Wir verdienen nix daran. Aber vielleicht sehen wir uns dafür auf der Strecke und Ihr könnt mir Eure Geschichte erzählen!

Mecklenburger Seenrunde, 25.-26. Mai 2018

https://mecklenburger-seen-runde.de
Wir haben einen Zweier Startplatz für die Mecklenburger Seenrunde (MSR) zu verlosen!

Schreibt dafür einfach einen Kommentar mit dem Titel „Ich will zur MSR!“ und Angabe Eurer E-Mail Adresse unten rein. Diese bleibt selbstverständlich geheim, wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht für Werbezwecke genutzt. Die Verlosung findet am 8. April um 20 Uhr statt und wird via random.org ermittelt. Die Gewinner werden hier bekanntgegeben und via E-Mail kontaktiert.

Wir wünschen viel Glück.

+++ UPDATE 08.04.2018 // MAJA IST DIE GEWINNERIN +++

Ein herzlicher Glückwunsch geht an Maja, die gerade einen Doppelstartplatz für die Mecklenburger Seenrunde 2018 gewonnen hat! Hier der Screenshot von random.org, Details siehe unten in den Kommentaren:

Teilnehmer:

01 Nina
02 Axel
03 Anke
04 Henning
05 Marcus
06 Marcus
07 Daniel
08 Sören
09 Oliver
10 Lars
11 Sebastian
12 Leonard
13 Maja
14 Andreas
15 Lena

 

Rhön 300 Radmarathon, 5. August 2018

http://www.rhoen300.de
VeloQ Leser erhalten 20% Rabatt für den Rhön Radmarathon 2018 – egal welche Strecke. Dafür einfach folgenden Gutscheincode beim Checkout angeben. Wir wünschen viel Spaß. Schreibt in die Kommentare, wie es war.

Gutscheincode: P_XV1379


Wir nehmen gerne weitere Mutmacher von Veranstaltern zur Dreihundert hier auf. Schreibt uns einfach einen kurzen Kommentar unten rein und wir treten mit Euch in Kontakt.

53 Gedanken zu „300km sind nur 150km pro Bein

  1. Yay, endlich wieder ein Post auf VeloQ – kurz und poetisch! Ich bin leider wegen IM70.3 aus der Verlosung raus, wünsche aber allen Verrückten viel Glück.

        1. Danke. Ich habe dieses Jahr aber ein anderes Problem. Der Ötztaler wurde bestätigt. Dafür bräuchte ich dann bitte einmal ein Wunder. Zum Mitnehmen bitte.

          1. Ötztaler ist doch aber auch nur so eine überkommerzialisierte Radrundfahrt – oder? Weniger als 300 km – oder?

          2. Ötztaler sind doch nur knapp 100 km die du effektiv treten musst. Eine gemütliche Regenetationsrunde am Sonntag…

  2. Du beschreibt genau die Reise, die Gefühle die wir durch lebten. Unser erster 300er #vomsalzzumsalzhaff, machte tatsächlich etwas mit uns, wir suchen den Morgen, den Morgen nach der Nacht, den Morgen des ersten 400ter’s.
    LG, Kai von den #Radbengelz

  3. Wer sich inspiriert fühlt durch diesen schönen Artikel: 330 faszinierende Kilometer, beste Verpflegung und immer eine passende Seilschaft für den Tag. http://Www.burningroads.de

    Wir sind seit drei Monaten ausgebucht aber der erste Pedalritter der teilnehmen möchte bekommt die Möglichkeit zur Nachmeldung und ist noch dabei!

    Einfach über das Kontakt Formular melden und Bezug auf diesen Post nehmen.

    Wer 300 fährt, fährt alles!

    Thorsten

  4. Ich will zur MSR!

    SO geil! Da bekomm ich gleich wieder riochtig Bock, auch wenn es heute erstmal wieder „nur“ auf die Rolle geht 😀

    Den 300er will ich aufjeden Fall diese Saison. UNd dafü habe ich mir auch schon was verrücktes überlegt: Ich wohne aktuell in Spremberg, meine Family in POotsdam. Das sind 155-160km ca. Im August will ich früh die eine Tour machen, kurz pausieren und wieder zurück!!! Das wäre ein geiles Ding

    PS: Die Meck- Pomm Runde würde ich echt gern mit meinem Cousin fahren!!

  5. Hallo,
    schön mal wieder von Dir zu lesen!
    Und dann noch so ernst 😉 Aber der Pathos ist absolut gerechtertigt, Du triffst das Gefühl ziemlich genau. Die Verhältnisse letzes Jahr waren aber auch perfekt, ich hatte selbst das Vergügen, die Vätternrundan in Kurz-Kurz zu fahren. Wenn man 150 km der Strecke im strömenden Regen macht, wie die Kollegen das Jahr zuvor, sieht es nochmal ganz anders aus…
    Bei mir wurde die Grenze aber etwas entspannter, mit weniger Happening, geknackt; ich habe meine 300 km+-Premiere letzes Jahr schon früher gemacht, am Meer… Ich organisiere für meinen Verein eine Ausfahrt von Essen zur Nordsee (mit), die 333 km lang ist. (https://www.erg1900.de/rtfctf/erg2nordsee/) Letztes Jahr war Premiere, diese Jahr sind wir wieder unterwegs. Wir sind schon ausgebucht, aber auf der Warteliste sind noch genug Plätze mit guter Aussicht auf Mitfahrt frei, wer auf diesen Artikel Bezug nimmt, wird bevorzugt :-p

  6. Schöner Bericht!

    Wenn man zum ersten mal eine neue Distanz bewältigt hat, ist das beim erstmal sehr anstrengend. Beim zweiten mal fängts aber an richtig Spaß zu machen und man kann die Landschaft mehr genießen, das ist für mich überhaupt immer die beste Motivation.

    Der Geist muss trainiert/abgehärtet werden, die Beine sind nicht so wichtig.

  7. „Ich will zur MSR!“
    Es wird immer sooo viel miteinander verglichen. Dabei ist die Langstrecke doch sowieso für jeden etwas anderes. Sehr subjektiv halt.
    So oder so ähnlich kann es laufen: Handywecker Terror, noch mal umdrehen, mist! fast verschlafen, Blick aus dem Fenster, Sonne? Regen? naja Dunkel halt, also warm anziehen und den Rest vom Kleiderschrank mitnehmen, Bike aus dem Auto, schnell zusammenbauen, Bremsen checken, wie komme ich jetzt an einen/zwei/drei Kaffee?, Frühstück viel zu schnell verdrückt, Bremsen wieder checken, ab zum Startbereich, Neulinge und Erfahrene alle schon da, warten auf den Start, nochmal Bremsen checken, Gespräche zur Nervenberuhigung wie immer ähnlich, Wetter/Strecke/Anstiege/Material/Verpflegung/usw. kennt glaube ich fast jeder, zum x-ten mal Bremsen checken, Start!!!, Hektik, Fahrerfeld formiert sich, zieht sich, Puls geht runter, die kommenden Stunden vergehen wie im Flug, Klamotte passt, Wetter passt, Strecke passt, Futter passt, F–L–O–W, dann plötzlich viel zu früh das Ziel, Bewußtsein setzt wieder ein, Bestandsaufnahme: die Schultern krampfen, der Hintern schmerzt, aber hej! genau deswegen waren wir (ich) doch angereist.
    Möge der F–L–O–W auch bei dieser MSR mit uns sein.

  8. Und hier die Lostrommel zum MSR Gewinnspiel.
    Wie angekündigt wird der Gewinner via random.org ermittelt.
    Im Rennen sind:


    01 Nina
    02 Axel
    03 Anke
    04 Henning
    05 Marcus
    06 Marcus
    07 Daniel
    08 Sören
    09 Oliver
    10 Lars
    11 Sebastian
    12 Leonard
    13 Maja
    14 Andreas
    15 Lena

    Und die glückliche Gewinnerin ist Maja mit der Nummer 13!

    random.org

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